Am 28. Spieltag der Fußball-Bundesliga verhindert Bayer Leverkusen in letzter Sekunde die Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft. Borussia Dortmund startet derweil torreich in eine wichtige Woche.
1. FC Heidenheim – Bayer 04 Leverkusen 0:1 (0:0)
Bayer Leverkusen hat seinen Pokal-Kater mit viel Mühe überwunden und im Titelkampf der Fußball-Bundesliga den Rückstand auf den FC Bayern wieder verkürzt. Vier Tage nach dem peinlichen Halbfinal-Aus bei Arminia Bielefeld gewann die Mannschaft von Trainer Xabi Alonso beim abstiegsbedrohten 1. FC Heidenheim glücklich mit 1:0 (0:0) und liegt sechs Spieltage vor Saisonende wieder sechs Punkte hinter dem Rekordmeister.
Nachdem die Münchner bereits am Freitagabend in Augsburg (3:1) vorgelegt hatten, traf Emiliano Buendia (90.+1) am Samstag erst in der Nachspielzeit für die Werkself, die damit ihren dritten Ligasieg in Folge feierte. An einer nötigen Aufholjagd im Saisonendspurt bestehen nach einer erneut schwachen Leistung der Leverkusener jedoch erhebliche Zweifel.
Schließlich musste sich Heidenheim nach einem starken Auftritt ärgern, im Abstiegskampf nicht einmal einen Punkt gesammelt zu haben – gerade mit Blick auf das schwierige Restprogramm: In den kommenden drei Partien geht es für den FCH gegen Eintracht Frankfurt, den FC Bayern und den VfB Stuttgart.
Alonso hatte nach dem schwachen Auftritt in Bielefeld auf eine „Reaktion“ seiner Mannschaft gehofft, und auch die letzte verbliebene Titelchance hatte der Double-Sieger der vergangenen Saison längst nicht aufgegeben. „Unser Ziel, unsere Aufgabe ist ganz klar: Wir wollen Spiel für Spiel gehen, aber alle gewinnen, um eine Chance zu haben“, sagte Alonso.
In Heidenheim tat sich seine Mannschaft jedoch von Beginn an schwer. Die Leverkusener, die wohl zum vorerst letzten Mal ohne den verletzten Florian Wirtz auskommen mussten, kamen gegen hellwache Gastgeber offensiv kaum zur Entfaltung – und präsentierten sich defensiv wie schon unter der Woche immer wieder anfällig.
Adrian Beck (11.) hatte für Heidenheim, das auf seinen angeschlagenen Torjäger Budu Siwsiwadse verzichten musste, die erste große Chance zur Führung. Doch dabei blieb es nicht: Frans Krätzig (18.), Benedikt Gimber (26.) mit einem Latten- und Pfostentreffer aus kurzer Distanz und Marvin Pieringer (32., 33.) vergaben allesamt beste Möglichkeiten.
Von Leverkusen kam derweil nichts, im Gegenteil: Mit teils haarsträubenden Fehlpässen leitete die Werkself selbst Heidenheimer Konter ein, fand gegen Aggressivität und Einsatz des FCH, der darüber hinaus auch spielerisch deutlich mehr zu bieten hatte, schlicht keine Mittel. Entsprechend glücklich war für Bayer das 0:0 zur Halbzeit.
Nach der Pause gelang es Leverkusen zwar zunehmend, die Partie ausgeglichener zu gestalten, von Spielkontrolle oder Torgefahr war die Werkself jedoch weiterhin weit entfernt. Vielmehr schienen die Gäste nun darauf bedacht, Heidenheim nicht zu noch mehr Chancen kommen zu lassen. Dann schlug Leverkusen doch noch zu.
SC Freiburg – Borussia Dortmund 1:4 (0:1)
Borussia Dortmund hat sich mit einem Sieg beim Lieblingsgegner jede Menge Selbstvertrauen vor dem Königsklassen-Kracher bei der Startruppe des FC Barcelona geholt. Der BVB gewann überzeugend 4:1 (1:0) beim SC Freiburg und hat trotz einer bisher wechselhaften Saison seine Europacup-Chancen gewahrt.
Karim Adeyemi (34.), Carney Chukwuemeka (52.) mit seinem ersten Bundesligator sowie die Joker Serhou Guirassy (68.) und Jamie Gittens (78.) trafen für die Dortmunder, die ihren siebten Dreier in Folge gegen den Sport-Club holten. Daran änderte auch der Gegentreffer von Maximilian Eggestein (88.) nichts mehr. Im Viertelfinale der Champions League müssen die Westfalen am Mittwoch bei den Katalanen von Trainer Hansi Flick antreten, drei Tage später steht der „Bundesliga-Klassiker“ bei Bayern München auf dem Programm. Die Freiburger warten seit fünf Partien auf einen Sieg.
Die Dortmunder mussten ohne den gelbgesperrten Nico Schlotterbeck sowie die verletzten Niklas Süle und Marcel Sabitzer auskommen. Der angeschlagene Torjäger Guirassy war immerhin wieder im Kader. Der vom FC Chelsea ausgeliehene Engländer Chukwuemeka feierte sein Startelf-Debüt. Bei den Freiburgern fehlten Stammtorwart Noah Atubolu (Schulterverletzung) und Merlin Röhl (Infekt). Atubolu wurde durch Florian Müller ersetzt, Kapitän Christian Günter saß nur auf der Bank.
Vor 34.700 Zuschauern in der ausverkauften Freiburger Arena, darunter Ex-Bundestrainer Joachim Löw, drückten beide Mannschaften in der Anfangsphase aufs Tempo. Sowohl der BVB wie der SC waren auf schnelle Ballgewinne aus.
In der 17. Minute sprang der Ball dem Dortmunder Verteidiger Rami Bensebaini bei einem missglückten Klärungsversuch im Strafraum an die Hand, Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) ließ weiterlaufen. Wie zu Beginn ging es auch Mitte der ersten Hälfte munter hin und her, kein Team konnte sich ein Übergewicht erarbeiten. Vor beiden Toren wurde es immer wieder gefährlich.
Nach einer halben Stunde gewannen die Dortmunder die Oberhand, diese Phase nutzte Adeyemi mit einem starken Abschluss zur Führung. Der BVB verteidige im Anschluss solide und nahm das Ergebnis mit in die Pause.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs schlief allerdings die komplette BVB-Defensive. Nach 23 Sekunden tauchte Ritsu Doan frei vor Gregor Kobel auf, der Japaner konnte den Dortmunder Torwart aber nicht überwinden. Besser machte es kurz darauf Chukwuemeka auf der Gegenseite bei einem Konter. Der Schuss des 21-Jährigen wurde unhaltbar für Müller von Verteidiger Philipp Lienhart abgefälscht.
Die Freiburger zeigten sich nicht geschockt und drängten weiter vehement auf ihren ersten Treffer. Kobel hielt aber auch gegen Junior Adamu (54.). Nach rund einer Stunde kam Guirassy für Maximilian Beier. Der traf prompt nach starker Vorarbeit von Chukwuemeka und Julian Brandt ins leere Tor. Gittens machte es noch deutlicher.
RB Leipzig – TSG Hoffenheim 3:1 (2:1)
RB Leipzig hat Interimstrainer Zsolt Löw einen erfolgreichen Einstand in der Fußball-Bundesliga beschert. Drei Tage nach dem Halbfinal-Aus im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart siegten die Sachsen nach langer Überzahl gegen die TSG Hoffenheim mit 3:1 (2:1) und feierten einen wichtigen Erfolg im Kampf um das internationale Geschäft.
Benjamin Sesko (24.), Ridle Baku (43.) und der eingewechselte Yussuf Poulsen (84.) sorgten in einem Spiel der Torwartfehler für den zwölften Saisonsieg der Leipziger, die sich für die erneute Qualifikation für die Champions League steigern müssen. Die TSG, für die Löw (45) einst als Spieler auflief, ist seit vier Spielen sieglos und steckt weiter im Abstiegskampf. Tom Bischof (11.) hatte die Kraichgauer in Führung gebracht. Leo Östigard (28.) sah nach einer Notbremse am enteilenden Lois Openda die Rote Karte.
Löw, der den Klub als Nachfolger des mit Sprechchören und Bannern verabschiedeten Marco Rose bis Sommer aus der sportlichen Krise führen soll, hatte seine Rückkehr in die Leipziger Arena herbeigesehnt. „Ich freue mich riesig. Ich hatte hier drei sehr schöne Jahre“, sagte Löw, bei RB einst Co-Trainer unter Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl.
Was seine Spieler zu Beginn zeigten, konnte Löw nicht zufriedenstellen. Das schnelle Umschaltspiel der Hoffenheimer stellte RB vor Probleme. Im Ballbesitz fand Leipzig kaum Lösungen. Die erste Chance durch Willi Orban (10.) war ein Zufallsprodukt, dem Kapitän war der Ball im Getümmel nach einer Ecke vor die Füße gefallen.
Zu den Problemen im Kollektiv gesellten sich individuelle Aussetzer: Torhüter Peter Gulacsi spielte den Ball unbedrängt in die Füße von Bazoumana Touré, der an Bischof weiterleitete. Bei dessen Treffer aus rund 25 Metern machte Gulacsi ebenfalls keine gute Figur.
Eine prompte Leipziger Reaktion blieb aus. Die Sachsen wirkten verunsichert und unkonzentriert – und wurden von der TSG ins Spiel zurückgebracht. Erst ließ Nationaltorhüter Oliver Baumann einen vermeintlich harmlosen Sesko-Kopfball ins eigene Tor abprallen. Dann sah Östigard Rot.
Hoffenheims Nackenschläge gaben Leipzig Rückenwind. RB hatte nun mehr Raum und Spielanteile, verlagerte das Geschehen vermehrt in die Hoffenheimer Hälfte und wurde mit der Führung belohnt.
Leipzig drängte nach dem Seitenwechsel auf die Entscheidung und spielte sich vorübergehend am Hoffenheimer Strafraum fest. Viel zu selten ergaben sich daraus aber große Chancen. RB machte aus der Überzahl insgesamt zu wenig und geriet bei einem TSG-Konter in höchste Not (70.). Poulsen sorgte dann für die Entscheidung.
1. FSV Mainz 05 – Holstein Kiel 1:1 (0:1)
Europa weiter im Blick – doch im Rennen um die begehrten Champions-League-Plätze hat der FSV Mainz 05 den nächsten Dämpfer hinnehmen müssen: Die Rheinhessen kamen am Samstagnachmittag gegen den Tabellenletzten Holstein Kiel nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus, nachdem sie bereits am vergangenen Wochenende in Dortmund verloren hatten (1:3). Dennoch bleibt der FSV vorerst auf Tabellenrang vier.
Alexander Bernhardsson hatte Kiel mit einem Traumtor zunächst in Führung geschossen (34.), der eingewechselte Nelson Weiper (75.) sorgte vor Anbruch der Schlussphase zumindest noch für den Ausgleich. Mainz blieb durch das Remis im zehnten Heimspiel in Folge ungeschlagen, Kiel hilft der Achtungserfolg im Abstiegskampf kaum weiter: Mit 18 Punkten ist die KSV weiterhin Tabellenletzter.
Der Mainzer Coach Bo Henriksen hatte vor der Partie zurückhaltend auf die Tabellensituation geblickt: „Wenn wir im Mai in Europa sind, sind wir glücklich“, sagte der Däne, „wenn nicht, haben wir es probiert.“ Über die Rollenverteilung gegen Kiel war sich Henriksen gleichwohl im Klaren, „ich weiß, dass wir Favorit sind.“ Doch obwohl Mainz durch Jonathan Burkardt früh zu einer guten Chance kam (3.), versteckten sich die Norddeutschen in der Mewa-Arena keineswegs.
In der 10. Minute war es einzig der glänzenden Beinabwehr vom Mainzer Keeper Robin Zentner zu verdanken, dass der freistehende Lasse Rosenboom nicht zur Gästeführung traf. Die 32.500 Fans sahen ein munteres Fußballspiel zweier offensiv ausgerichteter Mannschaften – und in der 19. Minute die nächste Großchance, als Burkardt für die Nullfünfer am Pfosten scheiterte.
Die Gäste ließ das unbeeindruckt, kurz darauf war wieder Zentner gefragt, als er einen Kopfball von Shuto Machino spektakulär über die Latte lenkte (23.). Und Kiel legte nach: Vom rechten Strafraumeck nahm Bernhardsson Maß, der Ball prallte im linken Kreuzeck an den Innenpfosten und von dort hinter die Linie. Eine Antwort blieb Mainz gegen den aufmüpfigen Underdog, der sich die Führung mit dem mutigen Auftritt verdiente, bis zur Pause schuldig.
Nach Wiederanpfiff erhöhten die Hausherren den Druck, blieben vor dem Tor wie etwa beim Freistoß aus aussichtsreicher Position von Nadiem Amiri (48.) aber zumeist harmlos – oder waren erneut vom Pech verfolgt, denn Anthony Caci traf per Kopf nach einer Nebel-Flanke wiederum nur den Pfosten (61.). Am Aluminium scheiterte nur drei Minuten später auch Steven Skrzybski für Kiel, beim Nachschuss war Zentner zur Stelle.
Das Spiel schien nun völlig offen – und Mainz kam zurück: Der erst sieben Minuten zuvor eingewechselte Weiper veredelte ein herausragendes Zuspiel von Nebel zum Ausgleich.
VfL Bochum – VfB Stuttgart 0:4 (0:2)
Nach dem Einzug ins Pokalfinale hat der VfB Stuttgart auch seine Durststrecke in der Bundesliga beendet – und dem VfL Bochum einen schweren Schlag versetzt. Drei Tage nach dem 3:1 im Halbfinale gegen RB Leipzig setzte sich der Vizemeister souverän mit 4:0 (2:0) im Ruhrstadion durch und verbuchte den ersten Dreier nach sechs erfolglosen Ligaspielen.
Für die schwachen Bochumer wird es im Abstiegskampf wieder prekärer: Nach vier Niederlagen aus den vergangenen fünf Spielen droht der Aufschwung unter Trainer Dieter Hecking zu verpuffen. Die Heimstärke des VfL gehört nach nur einem Sieg in den vergangenen sechs Partien mehr und mehr der Vergangenheit an.
Jeff Chabot (8.) und Ermedin Demirovic (11.) sorgten schon früh für eine beruhigende Gästeführung. Demirovic entschied bereits kurz nach der Halbzeit mit seinem zwölften Saisontor (48.) das weitgehend einseitige Spiel und legte noch seinen dritten Treffer nach (85.).
VfB-Coach Sebastian Hoeneß hatte nach dem Pokalerfolg mehr als die halbe Mannschaft umgestellt – nicht ganz freiwillig, weil mit Angelo Stiller, Maximilian Mittelstädt und Amen Al-Dakhil gleich drei Spieler gesperrt waren. Hecking wechselte gegenüber dem 1:3 bei Bayer Leverkusen nur einmal: Im Sturm ersetzte Myron Boadu Georgios Masouras.
Hoeneß hatte nach dem Finaleinzug seine „Hoffnung auf einen Energieschub“ geäußert, er wollte „den Schwung mitnehmen und eine Serie starten“. Der VfB begann tatsächlich mit Energie und Schwung und erwischte die Bochumer Abwehr ein ums andere Mal auf dem falschen Fuß. So auch beim Führungstor, als Atakan Karazor einen Eckball per Kopf auf Chabot zurücklegte, der gleich die erste Chance nutzte. Beim 2:0 reichte ein kluger Pass von Karazor auf Demirovic, um die Innenverteidigung zu überrumpeln.
Und der VfL? Sichtlich geschockt, wirkten die Gastgeber schon früh ratlos, selbst über die Zweikämpfe kamen sie nicht ins Spiel. Ein Kopfball von Felix Passlack über das Tor war der erste Annäherungsversuch (23.). Torjäger Boadu hing völlig in der Luft. Stuttgart kontrollierte Ball und Gegner, kombinierte weitgehend ungestört – und hatte Pech mit einem Pfostenschuss von Fabian Rieder (30.). Pfiffe begleiteten die Bochumer in die Halbzeitpause.
Statt mit einem Aufbäumen des VfL begann die zweite Hälfte mit der Entscheidung: Eine Hereingabe von Ramon Hendriks drückte Demirovic über die Linie. Auch die Umstellung auf Viererkette machte Bochums Abwehr nicht stabiler. Zahlreiche Zuschauer strömten schon zu den Ausgängen und verpassten ein weiteres Tor der Gäste.