Die Anzahl der Sexualstraftaten im Internet zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen ist in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Schweriner Innenministeriums in den zurückliegenden Jahren deutlich gewachsen. Den aktuellsten Zahlen zufolge gab es 2023 759 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Internet. 2020 waren es demnach 381. Laut Landeskriminalamt waren in einem Großteil der Fälle Kinder und Jugendliche Opfer.
Demnach machen die Verbreitung, der Erwerb, der Besitz und die Herstellung kinder- und jugendpornografischer Inhalte und der sexuelle Missbrauch von Kindern im Netz die Mehrheit der Fälle aus.
Phänomene wie Sextortion und Cybergrooming sind in diesen Daten hingegen noch nicht erfasst. Sextortion ist eine Form der Erpressung. Dabei drohen Täter mit der Veröffentlichung von Nacktfotos oder -videos des Opfers. Unter Cybergrooming versteht man das gezielte Ansprechen Minderjähriger im Internet durch Erwachsene mit dem Ziel, sie emotional zu manipulieren und sexuelle Kontakte vorzubereiten.
Beauftragte sieht „dringenden Handlungsbedarf“
Anlässlich einer Fachtagung in Greifswald, die sich etwa an Lehrer und Lehrerinnen richtete, erklärte die Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Kerstin Claus: „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist im Netz längst Alltag. Gerade mit Blick auf Cybergrooming und Sextortion sehe ich dringenden Handlungsbedarf.“
Es brauche sichere digitale Räume für junge Menschen, Online-Anbieter müssten deutlich mehr in die Pflicht genommen, aber auch der rechtliche Rahmen für die Strafverfolgungsbehörden müsse gestärkt werden.
Die Schweriner Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) erklärte: „Digitale Medien sind ein unverzichtbarer Teil des Alltags junger Menschen, bergen aber auch zunehmend Gefahren durch sexuelle Übergriffe im Netz.“ Die Neugier, Unsicherheiten und Unbefangenheiten junger Menschen würden gezielt ausgenutzt. Abhilfe könne Medienkompetenz und Aufklärung in Schulen leisten.
Neue Zahlen voraussichtlich im März
Innenminister Christian Pegel (SPD) verwies auf Präventionsarbeit der Polizei. „Mit Wissen über digitale Technologien, sicheren Online-Praktiken und gemeinschaftlichem Engagement können wir das Internet zu einem Raum machen, in dem junge Menschen selbstbewusst und geschützt agieren können.“ Neue Zahlen zur Häufigkeit entsprechender Straftaten sollen laut Innenministerium voraussichtlich im Rahmen der Kriminalstatistik Ende März veröffentlicht werden.