Wer beim Ja-Wort dem Himmel schon ein Stück näher sein will, kann künftig im ausgebauten Hellingkran im Rostocker Stadthafen heiraten. Das komplett sanierte und umgebaute technische Denkmal wird auf rund 30 Metern Höhe die vierte Außenstelle des Rostocker Standesamtes, wie die Stadtverwaltung mitteilte.
„Die Nachfrage ist sehr groß. In diesem Jahr starten wir mal mit fünf Terminen“, sagt Roland Methling, Vorsitzender des Fördervereins Tradition Ostseeschifffahrt, dem der Kran gehört. Zuvor hatte die „Ostsee-Zeitung“ berichtet.
Es gab in den vergangenen Monaten intensive Gespräche über die arbeitsschutzrechtlichen Voraussetzungen für die Nutzung des Hellingkrans als Standesamt. Die wurden nun gelöst. „Die rechtlichen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen befinden sich aktuell auf dem erforderlichen Stand“, so die Verwaltung.
Laut Methling ist der Termin für die erste Trauung bereits gesetzt, sie findet am 9. Juli statt. Am kommenden Samstag steht wieder ein „Tag der offenen Tür“ auf dem Kran an, in dem auch Veranstaltungen abgehalten werden können. „Ob Geburtstag oder Goldene Hochzeit – wir sind an jedem Samstag in diesem Jahr mit Familienfeiern ausgebucht“, sagte Methling.
Vom Maschinenraum zur Party-Location
Die Kosten für den bis 2024 erfolgten Umbau beliefen sich auf rund zwei Millionen Euro. Die Arbeiten dauerten drei Jahre länger als geplant. Ursprünglich hatte man mit einem Betrag von 1,5 Millionen Euro gerechnet. 840 000 Euro kamen vom Land aus EU-Mitteln. Neu eingebaut wurde auch ein Aufzug, man kann aber auch die 136 Stufen über eine Wendeltreppe zur Feier hoch laufen.
Der ehemalige Maschinenraum im Kran bietet Platz für etwa 30 bis 40 Menschen. Im Inneren führt eine Stahltreppe hinauf zu einer Galerie, die als Hochzeitssuite inklusive Bett mit Sondermaßen umgebaut wurde. Es gibt ein Bad, eine Toilette und eine kleine Küche. Der Boden ist im rostbraunen Industrie-Design gehalten.
Dass in dem Kran bald Ehen geschlossen und Hochzeiten gefeiert werden, hätten sich die Kranfahrerinnen der 1970er und 1980er Jahre wohl nicht vorstellen können. Der Kran wurde nach Angaben des Tourismusverbandes MV 1976 auf dem Gelände der damaligen Rostocker Neptunwerft errichtet, um bis zu 40 Tonnen schwere Stahlplatten für den Schiffbau zu heben. Heute erinnert er als technisches Denkmal an etwa 170 Jahre Schiffbaugeschichte in der Hansestadt.